FRAGE
Worum geht es bei der 4-Tage-Woche?
Guido Zander: „Die 4-Tage-Woche kann unglaublich vielfältig sein. Man muss dabei unterscheiden, ob eine bestehende Wochenarbeitszeit von z.B. 36 Stunden auf 4 Tage á 9 Stunden verteilt wird oder ob eine bestehende Wochenarbeitszeit von z.B. 40 auf 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich herabgesetzt wird.
Überwiegend wird der letztere Fall angenommen, obwohl dieser in der Praxis kaum vorkommt. Die meisten 4-Tage-Wochen werden über eine Umverteilung der bestehenden Wochenarbeitszeit auf 4 Tage realisiert.
Leider wird der Begriff mittlerweile aber auch für jede Art von Arbeitszeitflexibilisierung verwendet, die eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit beinhaltet, auch wenn mehr als 4 Tage pro Woche gearbeitet werden.“
FRAGE
Was sind die Ergebnisse der UK- und der Island- Studie zur 4-Tage-Woche?
Guido Zander: „Genau diese Studien sind perfekte Beispiele für die Verwässerung des 4-Tage-Woche Begriffs, denn sie stehen eher für Arbeitszeitflexibilisierung als für eine starre 4-Tage-Woche.
In Island hat es sich z.B. um eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 36 Stunden im öffentlichen Dienst gehandelt, die flexibel auf 5 Tage verteilt wurde. Hier von einer 4-Tage-Woche zu sprechen ist reiner Etikettenschwindel. Daher möchte ich an dieser Stelle auch nicht weiter darauf eingehen.
Interessanter ist dagegen die UK-Studie, da sie zumindest auf eine reine 4-Tage-Woche abgezielt hat. “
Folgende Ergebnisse wurden in der UK-Studie erzielt:
Diese Ergebnisse klingen erst einmal positiv, müssen aber insgesamt noch etwas eingeordnet werden:
Fazit der UK-Studie zur 4-Tage-Woche:
Die positiven Aspekte einer Arbeitszeitreduktion sind unbestritten, allerdings sind die Ergebnisse aufgrund der nicht repräsentativen Auswahl von Unternehmen nicht beliebig übertragbar. Die gute Nachricht ist, dass man positive Ergebnisse bereits mit einer 4,5-Tage-Woche erreichen kann, die ggf. einfacher und ohne wirtschaftliche Abstriche umzusetzen ist.
FRAGE
Und was ist bei der deutschen Studie zur 4-Tage-Woche rausgekommen?
Nur 34% der Unternehmen haben die Arbeitszeit tatsächlich auf 80% reduziert
Guido Zander: „Bei der Umsetzung wurde zwar der 100-80-100-Ansatz verfolgt, d.h. die Arbeitszeit sollte auf 80% reduziert werden bei 100% Lohn und 100% des Outputs. Tatsächlich haben dies aber nur 34% der Unternehmen umgesetzt, der Rest reduzierte die Arbeitszeit zwischen 11% und 19%. 85% der Unternehmen strebten einen fixen bzw. garantiert freien Tag pro Woche an, wovon 51% den Freitag als freien Tag wählten.
Die meisten umgesetzten Modelle waren eine Mischung aus moderater wöchentlicher Arbeitszeitreduktion (im Schnitt lag die wöchentliche Arbeitszeit bei 34,75 Stunden) bei leichter Verlängerung der Arbeitszeit an den verbliebenen Arbeitstagen. 15% haben alternative Modelle umgesetzt, wie z.B. die Verkürzung der Arbeitszeit pro Tag bei 5 Arbeitstagen pro Woche oder einen freien Tag alle zwei Wochen. Hervorzuheben ist, dass die durchschnittlichen monatlichen Überstunden im Testzeitraum von 6,41 auf 4,83 Stunden zurückgegangen sind, d.h. die Arbeitszeitverkürzung wurde nicht durch verstärkte Mehrarbeit kompensiert.“
Tatsächlich wurden im Schnitt über alle Unternehmen ähnlich wie in der UK-Studie 4,46 Tage pro Woche gearbeitet
Bei vielen Unternehmen kam es also vor, dass man auch an einem 5. Tag gearbeitet hat, wenn der Bedarf entsprechend hoch war. Dann zwar auch mal nur für 2 bis 3 Stunden, aber eine reine 4-Tage-Woche war es nicht mehr.
Konkret heißt das:
Die Studie ist keine reine 4-Tage-Woche-Studie, sondern wertet aus, welche Ergebnisse man durch eine moderate Arbeitszeitverkürzung in Kombination mit einer auf die jeweiligen Bedürfnisse angepassten intelligenten Arbeitszeitflexibilisierung erreicht.
Oder anders gesagt:
Alle in der Studie ausgewiesenen positiven Effekte erreicht man mit einer flexibilisierten 35-Stunden-Woche mit im Schnitt 4,5 Arbeitstagen. Eine reine 4-Tage-Woche benötigt man dafür nicht. Im Gegenteil ist anzunehmen, dass mit einer Reduzierung auf 4 Tage bei 80% der vorherigen Arbeitszeit die volle Leistung nicht mehr hätte erbracht werden können.
Aber welche Effekte wurden nun erreicht?
Fazit: Die 4-Tage-Woche ist weder ein Wundermittel noch der Weltuntergang
Die Studie zeigt sehr deutlich auf, dass diese Effekte nicht ausschließlich durch die 4-Tage-Woche erreicht werden können bzw. zeigt im Umkehrschluss sogar auf, dass diese bereits durch eine 4,5-Tage Woche bei flexibilisierter 35 Stunden Wochenarbeitszeit erreicht werden können. Es wird schon seine Gründe haben, dass sowohl in der UK-Studie, in Island und nun auch in Deutschland die tatsächlich erreichten Werte immer um die 4,5 Tage und 35 Stunden lagen. Es mag einzelne Unternehmen und Geschäftsmodelle geben, die 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich und 4 Tagen ohne Probleme hinbekommen, die Masse scheint es aber nicht zu sein.
Guido Zander
Geschäftsführender Partner
Passt die 4-Tage-Woche zu Ihrem Unternehmen?
Nicht jedes Arbeitszeitmodell funktioniert in jedem Betrieb. Wir analysieren gemeinsam mit Ihnen, welches Modell zu Ihrer Branche, Ihrer Belegschaft und Ihren wirtschaftlichen Zielen passt.
FRAGE
Wann und wo passt die 4-Tage-Woche?
Guido Zander: „Die 4-Tage-Woche passt dort, wo einfach Produktivitätsgewinne zu erzielen sind oder wo einfach die Arbeit von 5 auf 4 Tage verteilt werden kann.
In Verwaltungsbereichen gibt es in vielen Unternehmen ausschweifende Meetingkulturen, viel Zeit in der Kaffeeküche und ineffiziente Prozesse. Hier kann man oft durch wenige Maßnahmen die Arbeitszeit reduzieren, ohne dass der Output darunter leidet. Dabei bleibt es eine Frage von Kosten- und Wettbewerbsdruck, ob man die produktivitätssteigernden Maßnahmen bevorzugt für eine Arbeitszeitreduzierung nutzt bzw. nutzen kann, oder ob diese Maßnahmen ohne einhergehende Arbeitszeitverkürzung essentiell notwendig sind, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Ansonsten ist die 4-Tage-Woche am meisten im Handwerk verbreitet. Oft gab es dort ohnehin nur einen kurzen Freitag bis 14 Uhr. In diesem Fall ist es einfach, die Freitagsstunden auf Montag bis Donnerstag zu verteilen. Die Arbeitsleistung bleibt gleich, man spart sich sogar eine Anfahrt zur Baustelle und dann gibt es ein langes Wochenende von Freitag bis Sonntag. Dass das für die Beschäftigten eine gute Sache ist, steht außer Frage und der Betrieb hat keine bis wenig Beeinträchtigungen.“
FRAGE
Wo passt die 4-Tage-Woche eher nicht?
Guido Zander: „Schwieriger umzusetzen ist die 4-Tage-Woche in Schichtbetrieben, vor allem wenn rund um die Uhr gearbeitet werden muss. Dann kann eine Schicht maximal 8 Stunden pro Tag lang sein, d.h. eine Umverteilung hin zu längeren Tagesarbeitszeiten ist nicht möglich. Eine 4-Tage-Woche bedeutet dann automatisch eine 32-Stunden-Woche. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass bei einer Ausgangssituation von 40 Stunden pro Woche die Produktivität um 25 Prozent gesteigert werden müsste, um den Kapazitätsverlust auszugleichen. Dies ist oft schwierig oder unmöglich, denn z.B. eine getaktete Maschine hat keinen höheren Ausstoß oder ein Zug fährt nicht schneller, nur weil das Personal in einer 4-Tage-Woche arbeitet.“
FRAGE
Was könnten solche alternative Lösungsansätze sein?
Guido Zander: „Letztendlich ist eine reine 4-Tage-Woche ein starres Arbeitszeitmodell, sowohl für Unternehmen als auch für Mitarbeitende. Die Lösung liegt daher in flexiblen Arbeitszeitmodellen mit moderater Arbeitszeitverkürzung. Bei 40 Stunden im Schichtbetrieb entstehen bei volatilen Auftragslagen häufig Leerstunden. Die Beschäftigten sind da, obwohl wenig zu tun ist. Ist mehr zu tun, muss diese Mehrarbeit oft teuer bezahlt werden.
Gelänge es, die Kapazität an den Bedarf anzupassen, könnten viele Leer- und zuschlagspflichtige Mehrarbeitsstunden vermieden werden. Basis für diese Flexibilität sind Lücken in den Schichtplänen, d.h. freie Tage, die manchmal stattfinden oder auch nicht. Diese Lücken sind allerdings nur bei einer Wochenarbeitszeit von weniger als 40 Stunden möglich. Oft kann eine Arbeitszeitreduktion von 3-4 Stunden pro Woche durch flexible Modelle gegenfinanziert werden, indem man diese Leer- und Mehrarbeitsstunden vermeidet. Dabei muss es dann aber nicht die 4-Tage-Woche sein, sondern eine 4,x-Tage-Woche. Bei 4,5 Tagen könnte man z.B. bei schwacher Auftragslage nur 4 Tage arbeiten und bei hoher Auftragslage 5 Tage. Oder bei einer 4,75 Tage Woche gibt es die Möglichkeit, in bis zu 12 Wochen mit geringer Auslastung nur 4 Tage zu arbeiten. Die Mitarbeiter haben mehr Freizeit und das Unternehmen verzichtet nur auf Leerstunden und hat keine Verluste.
Die dadurch möglichen positiven Effekte wurden in den Studien beschrieben: Entlastung für die Beschäftigten, weniger Kranke, höhere Arbeitsgeberattraktivität ohne Produktivitätsverlust.“
FRAGE
Wie wird es mit der 4-Tage-Woche weitergehen?
Guido Zander: „Der Hype und die kontroverse Diskussion um die 4-Tage-Woche ist mittlerweile zum Glück einer eher nüchternen Betrachtung gewichen. Es ist ein Modell von vielen, aber weder per se der Weltuntergang noch die ultimative Lösung für alles. Sie passt mal mehr oder mal weniger und ist nicht überall gleich einfach umzusetzen. Was allerdings in fast allen Unternehmen funktioniert, ist eine flexible Arbeitszeitgestaltung, die gerade bei volatilen Auslastungssituationen häufig eine gegenfinanzierte Verkürzung der Wochenarbeitszeit mit allen besprochenen Vorteilen ermöglicht.“
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Guido Zander
Geschäftsführender Partner
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