Noch mehr Tipps, um Ihr Unternehmen zu ruinieren – diesmal 12 Tipps für Mitarbeiter und Betriebsräte

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14.04.16

SSZ Beratung

In meiner langjährigen Beratungspraxis zum Thema Arbeitszeit habe ich immer wieder erlebt, wie sich Unternehmen und Mitarbeiter selbst das Leben schwermachen. Nachdem ich in meinem letzten von immerhin über 75.000 Personen gelesenen Artikel Unternehmen und Führungskräften provokativ den Spiegel vorgehalten habe (So zerstören Sie Ihren Betriebsfrieden zuverlässig – 10 Tipps zur Arbeitszeitgestaltung), möchte ich nun aus Gründen der Gerechtigkeit zum Ausgleich aufzeigen, was man alles an der Mitarbeiter- und Betriebsratsfront tun kann, um sein Unternehmen zu ruinieren … Spätestens danach habe ich keine Freunde mehr ;) Um das zu verhindern, bitte ich Sie und die vielen loyalen und engagierten Mitarbeiter und Betriebsräte natürlich voreilend um Entschuldigung für alle Irritationen. Jetzt aber: Tipps für Mitarbeiter, um das eigene Unternehmen zu ruinieren: 1.   Beantragen Sie bereits im Januar einen Gleittag für November Seien Sie möglichst früh dran, um Gleittage zu beantragen. Sie wissen ja, der frühe Vogel fängt den Wurm! Lassen Sie sich nicht davon irritieren, dass Sie eigentlich kein Guthaben auf Ihrem Arbeitszeitkonto haben, das können Sie schon noch aufbauen. Am besten in der Zeit, in der am wenigsten los ist, dann ist es auch nicht so stressig, wenn man mal mehr als 9 Stunden „arbeitet“. Und mit etwas Glück wird man dann auch noch vom Chef belobigt, weil man ja so fleißig ist. Den Gleittag am besten dann nehmen, wenn viel Arbeit anliegt, das ist gut für die Work Life Balance und die Kollegen machen das dann schon. Idealerweise beantragen Sie auch Gleittage an allen Brückentagen.   2.   Verlangen Sie einen Schichtplan mit festen Arbeitszeiten für die nächsten 2 Jahre Machen Sie deutlich, dass Sie Ihr Privatleben nicht organisieren können, wenn Sie heute nicht wissen, ob Sie am Mittwoch in 2 Jahren (also am 29. Januar 2020) eine Früh- oder Spätschicht haben. Bestehen Sie darauf, dass sich an diesem Plan nichts, aber auch wirklich nichts mehr ändern darf. Es sei denn natürlich, Sie entdecken am 27. Januar 2020, dass Sie am 29. Januar dann doch frei haben wollen. Das wird ja dann wohl möglich sein, da muss der Chef dann halt mal flexibel sein und irgendein anderer wird dann schon einspringen (siehe Punkt 11).   3.   Bestehen Sie auf die Einhaltung von Ordnung und die Abnahme ihrer Arbeitsleistung Sie haben einen 40h-Vertrag? Dann ist es Ihr verdammtes Recht auch jede Woche 40 Stunden zu arbeiten (sofern es Ihnen passt). Es ist schließlich nicht Ihre Schuld, wenn in der einen Woche viel und in der anderen Woche wenig zu tun ist. Sowas nennt sich nun mal unternehmerisches Risiko.   4.   Beanstanden Sie konsequent jeden Flexibilitätszwang und jede Überlastungssituation Es ist ein Skandal. Es passiert regelmäßig, dass die Arbeit an einem Tag nicht in 8 Stunden zu erledigen ist bzw. Sie haben richtig Stress, das zu schaffen. Verzichten Sie auf keine Gelegenheit, Ihren Chef darauf hinzuweisen, dass Ihre Abteilung unterbesetzt ist. Ignorieren Sie die Tage, an denen Sie Ihre Arbeitszeit hauptsächlich mit verstärkter informeller Kommunikation in der Kaffeeecke verbringen. Denn Sie wissen ja, ohne informelle Kommunikation ginge der Laden den Bach runter. Durch Ihre permanente Kommunikation in Richtung Ihres Chefs werden evtl. neue Mitarbeiter eingestellt und Sie können sich noch engagierter der informellen Kommunikation widmen. So etwas nennt man Win-Win-Situation!   5.   Bauen Sie möglichst viele Stunden auf Ihrem Arbeitszeitkonto auf Viel hilft viel und mehr ist immer besser als weniger. Daher schaffen Sie sich einen Puffer. Bauen Sie (idealerweise in bedarfsschwachen Zeiten (siehe Punkt 1) so viele Stunden auf, dass sich Ihr Zeitkonto am oberen Ende der erlaubten Grenze bewegt. Wenn dann richtig viel zu tun ist, können Sie leider nicht mehr herangezogen werden, weil ja sonst Ihr Konto überläuft oder unverschämterweise sogar noch Stunden verfallen. Im günstigsten Fall besteht Ihr Chef noch auf den Abbau der Stunden und Sie können den Stress Ihrem Kollegen überlassen.   6.   Bauen Sie möglichst viele Minusstunden auf Ihrem Arbeitszeitkonto auf Sie meinen dieser Punkt steht im Widerspruch zu Punkt 5? Korrekt, das haben Sie gut erkannt. Eigentlich ist es aber eine Alternativstrategie zu Punkt 5. Wenn immer es Ihnen möglich ist, gehen Sie früher oder lassen eine Schicht ausfallen. Wenn nun Mehrbedarf entsteht, machen Sie sich unsichtbar, gehen Sie nicht ans Telefon, schieben Sie wichtige private Termine vor. Irgendwann hat auch die begriffsstutzigste Führungskraft verstanden, dass es mit viel Aufwand verbunden ist, Sie zum Arbeiten zu bewegen. Ab diesem Zeitpunkt werden nur noch die „freiwilligen“ Streber gefragt und Sie sind fein raus (siehe Punkt 11 Freiwilligkeit). Irgendwann ist Ihr Minus so groß, dass es absolut unzumutbar ist, das vom Gehalt abzuziehen („alternativlos“). Schließlich ist es doch die Schuld des Arbeitgebers, wenn er die Arbeitszeit nicht abruft. Falls er Sie nun zur Verantwortung ziehen will, wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Betriebsrat (siehe Punkt 10, Minderheitenschutz). Er hilft Ihnen sicher dabei, dass die Minusstunden ersatzlos verfallen.   7.   Ignorieren Sie das Geschäftsmodell Ihres Arbeitgebers Sommerzeit ist Urlaubszeit. Bestehen Sie darauf, immer 3 Wochen Urlaub am Stück in den Sommerferien zu machen. Ihr Arbeitgeber ist ein Eis-Hersteller? Das kann ja nun wirklich nicht Ihr Problem sein, dass der sich selbst so ein Saisonprodukt ausgesucht hat.   Und nun noch ein paar Tipps für Betriebsräte, um das Unternehmen zu ruinieren: 8.   Ignorieren Sie ebenfalls das Geschäftsmodell Ihres Arbeitgebers Unterstützen Sie die Mitarbeiter dabei wie unter 7 zu agieren. 9.   Ihre Kollegen brauchen Sie, damit auch Tipps 1 – 6 gelingen Auch bei den anderen Tipps für Mitarbeiter sollten Sie die unterstützende Instanz sein, auf die man setzen kann, damit die Tipps für Mitarbeiter gelingen. 10. Schützen Sie stets jeden “Betroffenen“ Stellen Sie sich vor jeden Mitarbeiter, dem der Arbeitgeber etwas Übles will (z.B. Ihn dazu zu bringen, die Minusstunden reinzuarbeiten). Deswegen sind Sie Betriebsrat geworden. Im Zweifel soll der Mitarbeiter ja nur ausgebeutet werden. Nehmen Sie jede Beschwerde der immer gleichen fünf Mitarbeiter ernst und gehen Sie davon aus, dass die immer für die schweigende Mehrheit sprechen (zerstören Sie sich nicht Ihre Illusion, indem Sie mit anderen sprechen). Setzen Sie sich dann maximal für diese fünf Personen ein, unabhängig von deren Einstellungen und Verhaltensweisen. So können Sie zeigen, dass Sie immer auf der Seite der Mitarbeiter stehen und einer Wiederwahl steht nichts im Wege! 11. Bestehen Sie stets darauf, dass jede Flexibilität freiwillig ist Sie wissen ja: Nur Freiwilligkeit ist fair! Es wird ja damit niemand gezwungen, etwas gegen seinen Willen zu machen. Ignorieren Sie beharrlich, dass immer dieselben Mitarbeiter zur Stelle sind, wenn man sie braucht. Die scheinen daran ja richtig Spaß zu haben! Dass die das evtl. nur machen, weil sie erkannt haben, dass das Unternehmen sonst nicht laufen würde (und der Spaßfaktor evtl. gar nicht so hoch ist) ignorieren Sie besser. Ansonsten müssten Sie noch einer Regelung zustimmen, die die Last auf alle gleich verteilt, und dann beschweren sich wieder die anderen, die keinen Bock darauf haben. Schließlich hat das doch mit der Freiwilligkeit die letzten 20 Jahre auch funktioniert und die „Freiwilligen“ motzen (bisher) nun mal nicht so oft wie die anderen (siehe Punkt 10). 12. Bilden Sie einen Arbeitskreis ohne jede wirkliche Entscheidungsbefugnis Sie sind nicht allein! Der Arbeitgeber möchte ein Arbeitszeitprojekt initiieren? Egal wie schlimm es heute um die Arbeitszeiten bestellt ist, gehen Sie davon aus, dass es nur schlimmer werden kann. Bilden Sie einen Arbeitskreis, der das Projekt begleitet. Wann immer die Teilnehmer des Arbeitskreises verstanden haben, worum es geht und sich eine einvernehmliche Lösung abzeichnet, sollten Sie die Teilnehmer auswechseln. Entschleunigen Sie das Projekt dadurch, dass sich der Arbeitskreis immer nur alle sechs Woche treffen kann, und installieren Sie ein übergeordnetes Gremium, dass nur einmal im halben Jahr tagt, dem dann Bericht erstattet werden muss. Das Gremium wiederum sollte alle erarbeiteten Lösungen der Teilnehmer des Arbeitskreises wieder einkassieren, denn aufgrund der hohen Fluktuation im Arbeitskreis waren die Teilnehmer für eine fundierte Entscheidung nicht ausreichend informiert. Sollte dann doch irgendwann eine Einigung zustande kommen und fünf Mitarbeiter beschweren sich darüber (siehe Punkt 10) distanzieren Sie sich von allem und behaupten Sie, der Arbeitgeber habe Sie über den Tisch gezogen und sooo waren die einzelnen Punkte ja gar nicht gemeint. Zusatztipp: O.g. Verfahren lässt sich auch auf alle Veränderungsprojekte außerhalb des Themas Arbeitszeit erfolgreich anwenden. Wichtiger Disclaimer: Mir persönlich ist es wichtig, dass Mitarbeiter gut und fair behandelt werden. Leider ist dies nicht immer der Fall und man kann dazu auch einiges meinem ersten Artikel   entnehmen. Zugleich bin ich aber auch der Meinung, dass ein Unternehmen von Mitarbeitern einen verantwortungsvollen Umgang mit der Arbeitszeit erwarten darf. Und ein Großteil der Mitarbeiter in den Unternehmen agiert in der Regel verantwortungsvoll und ist loyal zu Arbeitgeber und Kollegen. Auch hatte ich nicht selten das Vergnügen mit sehr kooperativen Betriebsräten zu arbeiten, die nie das Wohl der Arbeitnehmer aus den Augen verloren haben und gleichzeitig konstruktiv an der Lösung betrieblicher Probleme mitgearbeitet haben. Dennoch habe ich in vielen Projekten einzelne oder auch mehrere (und in Summe alle und das auch gar nicht so selten) der oben beschriebenen Verhaltensweisen persönlich in der Realität erlebt. Meiner Meinung nach wäre es Aufgabe von Führungskräften und Betriebsräten, die engagierte Mehrheit der Mitarbeiter vor einer sich auf Kosten anderer selbst optimierenden und geschäftsschädigenden Minderheit zu schützen. Dies passiert allerdings leider eher selten. Hier können klare Regeln und gut definierte Arbeitszeitmodelle sowie eine konsequente Führung Wunder bewirken. Wer sich etwas ausführlicher zum Thema "Next Workforce Management" informieren möchte findet hier ausführliche Informationen in einem Interview zum Thema. Guido Zander ist Geschäftsführender Partner bei SSZ, der Unternehmensberatung für Arbeitszeit, Personaleinsatzplanung und Workforce Management. Darüber hinaus ist er Mitglied bei der Zukunftsinitiative Personal, deren Mitglieder, alle langjährige Key-Player im HR-Markt, Unternehmen und Organisationen aufzeigen möchten, wie sie die heutigen und zukünftigen Herausforderungen des Wandels durch ein umfassendes HR-Management meistern können.  

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Buch „Die faulen Deutschen? - (Schein-)Debatten und Lösungen für eine zukunftsfähige Arbeitswelt“

Das neue Buch von Guido Zander ist erschienen und stößt auf breites Interesse. Mittlerweile werden viele Diskussionen gerade auch im Thema Arbeitseit sehr polemisch und faktenbefreit geführt, manchmal ist aber auch etwas dran. Das hat Guido Zander bewogen, in seinem neuen Buch verschiedene Thesen basierend auf Studien, eigenen Erfahrungen und viel Statistik ergebnisoffen zu überprüfen.