Gerade in der aktuellen Krise hören wir immer wieder, dass Unternehmen jetzt andere Prioritäten hätten, als sich um Arbeitszeitmodelle zu kümmern. Schließlich müsse zunächst die Produktivität erhöht werden. Außerdem seien Arbeitszeitprojekte mühsam und schwierig umzusetzen. Das ist nachvollziehbar, beruht aber auf der falschen Annahme, dass Arbeitszeitprojekte vor allem den Beschäftigten zugutekommen, viel Aufwand verursachen und am Ende die Kosten erhöhen. Wenn Arbeitszeitprojekte richtig angegangen werden, können alle Beteiligten davon profitieren, und sie amortisieren sich oft in sehr kurzer Zeit. Die Gründe dafür sind:
1. Produktivität erhöhen
Jedes Arbeitszeitprojekt bietet das Potenzial, die Produktivität spürbar zu erhöhen. Viele Unternehmen arbeiten gerade in den operativen Bereichen wie zum Beispiel in der Produktion oder Logistik mit starren oder nur wenig flexiblen Arbeitszeitmodellen. Diese Modelle treffen inzwischen auf ein extrem volatiles Umfeld. Ursachen für Nachfrageschwankungen sind unter anderem weltweite Krisen wie Kriege, Zölle und Klimakatastrophen. Selbst wenn die Auftragsbücher voll sind, können Materialengpässe und Lieferkettenprobleme dazu führen, dass ganze Anlagen über Stunden oder sogar Tage stillstehen.
Gerade bei dichten Schichtplänen mit wenigen freien Tagen oder Wochenenden führt das dazu, dass Mitarbeitende aus Sorge vor Zusatzschichten auch dann noch am Arbeitsplatz bleiben, obwohl nichts zu tun ist. Steigt die Nachfrage wieder an, wird sie häufig durch teure Zusatzschichten inklusive Zuschlägen bedient. Im Ergebnis bezahlt der Arbeitgeber die Stunden zweimal: einmal als Leerstunde und einmal als Mehrarbeitsstunde.
Durch intelligente und flexible Arbeitszeitkonzepte, die die Flexibilitätsbedürfnisse der Beschäftigten mit denen des Unternehmens verbinden, kann die Produktivität erheblich gesteigert werden. Wenn pro Mitarbeiter und Monat acht Leerstunden anfallen, also eine von 20 Schichten nicht benötigt wird, entspricht das fünf Prozent der Kapazität, die bezahlt, aber nicht genutzt wird. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und passenden Personaleinsatzprozessen lassen sich diese Potenziale heben.
2. Krankenquote senken
Klassische Schichtsysteme auf Basis einer 40-Stunden-Woche sind häufig so belastend, dass sie zu Krankenquoten von über zehn Prozent, nicht selten sogar bis zu 15 Prozent führen. Mit ergonomisch sinnvollen Schichtplänen liegt die Krankenquote dagegen oft bei höchstens sechs bis acht Prozent in Schichtbetrieben. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass solche Schichtsysteme in der Regel weniger als 40 Stunden Wochenarbeitszeit vorsehen. Wird die Wochenarbeitszeit beispielsweise um zwei Stunden reduziert und sinkt die Krankenquote um fünf Prozentpunkte, ist die Reduktion der Wochenarbeitszeit vollständig finanziert. Wird das System zusätzlich flexibilisiert, lassen sich Leerstunden vermeiden, Mitarbeitende entlasten und die Gesundheit der Beschäftigten verbessern.
Guido Zander
Geschäftsführender Partner
Wie viele Stunden bezahlen Sie aktuell doppelt?
Starre Schichtpläne und hohe Krankenquoten kosten Sie zweimal: einmal als bezahlte Leerstunde, einmal als Zusatzschicht mit Zuschlag. Wir machen sichtbar, wie groß dieses Potenzial in Ihrem Betrieb tatsächlich ist – mit belastbaren Zahlen statt Bauchgefühl.
3. Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen
Nicht nur Unternehmen, sondern auch Beschäftigte müssen immer flexibler werden, um Privatleben und Arbeit miteinander vereinbaren zu können. Inzwischen sind fast 75 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter berufstätig – und das oft bei einer Betreuungsinfrastruktur für Kinder, die weder ausreichend noch zuverlässig ist. Hinzu kommt, dass die Pflege von Angehörigen deutlich zunehmen wird. Das ist nur zu bewältigen, wenn auch Beschäftigte entsprechende Flexibilisierungsmöglichkeiten haben. Die Flexibilitätsbedürfnisse von Beschäftigten und Unternehmen stehen häufig im Widerspruch zueinander. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie sich nicht miteinander verbinden lassen. In einem Arbeitszeitprojekt muss es daher darum gehen, die Flexibilitätspotenziale unterschiedlicher Beschäftigter in unterschiedlichen Lebensphasen so zu kombinieren, dass die betrieblichen Flexibilitätsbedarfe gedeckt werden können.
4. Kundenorientierung erhöhen
Bei stark schwankenden Bedarfen und starren Arbeitszeitmodellen gibt es nur Verlierer: das Unternehmen, weil Aufträge liegen bleiben oder Leerstunden entstehen; die Mitarbeitenden, weil sich Überlastungsphasen und Leerlauf abwechseln; und die Kunden, weil sie unter Umständen länger warten müssen oder Fristen nicht eingehalten werden. Flexible Kapazitäten sorgen daher nicht nur für mehr Produktivität, sondern auch für eine gleichmäßigere Belastung der Beschäftigten, höhere Termintreue und schnellere Reaktionsmöglichkeiten gegenüber Kunden. Zufriedene Kunden kommen wieder und empfehlen weiter.
Unser Expertentipp
„Flexible Arbeitszeitmodelle gibt es nicht von der Stange. Welche Modelle passen, hängt von den Prozessen, dem Flexibilitätsbedarf, den notwendigen Qualifikationen, dem Altersdurchschnitt der Belegschaft und vielen weiteren Faktoren ab.
Ein erfolgreiches und erprobtes Modell aus einem anderen Unternehmen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern, wenn es einfach übertragen wird. Deshalb lohnt sich der Aufwand, maßgeschneiderte Modelle zu entwickeln, die zur Organisation und zu den Mitarbeitenden passen.“
Guido Zander
Chancen und Risiken bei der Einführung neuer Arbeitszeitmodelle
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Risiken
Wie man Arbeitszeitprojekte erfolgreich umsetzt und Widerstände vermeidet, kann hier nachgelesen werden.
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5 Faktoren als Voraussetzung zur erfolgreichen Umsetzung neuer Arbeitszeitmodelle
Neue Arbeitszeitmodelle einzuführen gehört zu den herausforderndsten Veränderungsprozessen. Diese fünf Erfolgsfaktoren zeigen, wie die Umsetzung gelingt – ohne Zwang und mit hoher Akzeptanz.
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