Personalbedarfsermittlung

Lesedauer: 6 Minuten

Fünf Faktoren als Voraussetzung zur erfolgreichen Umsetzung neuer Arbeitszeitmodelle

Neue Arbeitszeitmodelle einzuführen gehört zu den herausforderndsten Veränderungsprozessen. Diese fünf Erfolgsfaktoren zeigen, wie die Umsetzung gelingt – ohne Zwang und mit hoher Akzeptanz.

Probleme verstehen

Auslöser für die Veränderung von Arbeitszeitmodellen sind immer Probleme oder Unzufriedenheit mit den aktuell bestehenden Modellen. Das kann die aus Sicht des Arbeitgebers nicht ausreichende Flexibilität der Arbeitszeiten sein, um sie bedarfsgerecht an unterschiedliche Auslastungssituationen anzupassen. Auch Unzufriedenheit auf Seiten der Mitarbeiter über einen Mangel an Flexibilität zur Anpassung der individuellen Arbeitszeiten an die persönliche Lebenssituation kann der Grund zur Veränderung sein. Hohe Krankenstände oder häufig wiederkehrende Überlastungssituationen können Symptome von Problemen aktuell genutzter Arbeitszeitmodelle sein, wobei die Ursachen dafür dann meist in zu kurzen Erholungszeiten oder ergonomisch ungünstig gestalteten Schichtsystemen liegen.

Wichtig ist, zunächst die Ursachen und Wirkungen der Probleme zu untersuchen und zu verstehen. Daneben sollte aber auch hinterfragt werden, welche Eigenschaften der aktuell genutzten Arbeitszeitmodelle positiv sind und nach Möglichkeit bewahrt werden sollten. Sonst wäre die Gefahr groß, dass mit der Beseitigung der bestehenden Probleme neue erzeugt werden, weil die bisher geschätzten Vorteile nun von Mitarbeitern oder Führungskräften vermisst werden.

Der Weg zu einem guten Verständnis der Ausgangssituation und Problemlage führt über die Einbeziehung aller Stakeholder: Geschäftsführung, Führungskräfte, Betriebsräte und Mitarbeiter. Für die Einbeziehung der Mitarbeiter empfehlen wir die Durchführung von Interviews, die wesentlich mehr Informationen zutage fördern als schriftliche Umfragen, bei denen die Gefahr von Missverständnissen bei der Formulierung der Fragen und Schwierigkeiten einer verständlichen Formulierung der Antworte hoch ist.

SSZ Beratung Workforce Analytics Plus Definition

Fakten statt Bauchgefühl

Das bestmögliche Verständnis von Ausgangslage und Problemstellung entsteht erst auf Basis von Datenanalysen. Ein zentraler Punkt ist in der Regel der Personalbedarf: Wie viele Mitarbeiter oder Arbeitsstunden werden benötigt, um eine bestimmte Arbeitslast zu bewältigen? Und wie wird sich die Arbeitslast zukünftig über verschiedene zeitliche Dimensionen (Wochen, Tage, innerhalb eines Tages, …) verteilen? Diese Information lässt sich in der Regel auf Basis von Daten zur Verteilung der Arbeitslast in der Vergangenheit auswerten und in Prognosen für die Zukunft umsetzen.

Hieraus lässt sich dann auch ableiten, welches Maß an Flexibilität im zukünftigen Arbeitszeitmodell benötigt wird. Dabei sollte die benötigte Flexibilität über verschiedene Zeithorizonte analysiert werden: Wie stark schwankt der Personalbedarf von Saison zur Saison, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag oder innerhalb eines Tages?

Nimmt man in der Datenanalyse die tatsächlich in der Vergangenheit eingesetzten Arbeitsstunden mit hinzu, lässt sich daraus auch ableiten, inwieweit es in der Vergangenheit bereits gelungen ist, den Personalbedarf an schwankende Auftragslagen anzupassen. Daraus wird dann auch erkennbar, in welchen Situationen Leerstunden (ein Überangebot von Arbeitszeit bei geringer Auslastung) oder Überlastsituationen (zu wenig verfügbares Personal bei hoher Auslastung) entstanden sind und welche wirtschaftlichen Auswirkungen diese für das Unternehmen haben.

Wahlfreiheit statt One-Size-Fits-All

In den meisten Unternehmen gibt es für eine Organisationseinheit genau ein Arbeitszeitmodell für Vollzeitbeschäftigte. Die Rahmenbedingungen dieses Modells sind so gestaltet, dass sie für möglichst alle Mitarbeiter passen können – also auch für diejenigen, die aufgrund ihrer persönlichen Lebensumstände nur wenig flexibel sein können – und deshalb sind diese Modelle meist sehr starr, sowohl für die Mitarbeiter als auch aus betrieblicher Perspektive. Dies gilt insbesondere für Schichtbetriebe und dort auch „weil das bei uns immer schon so war“.

Wenn in solchen Rahmenbedingungen Flexibilität zwingend benötigt wird, dann wird sie in der Regel auf Basis von Freiwilligkeit eingefordert. Es ist dann meist ein begrenzter Kreis von Mitarbeitern, der hierzu freiwillig bereit ist. Aber mit fortschreitender Zeit wächst meistens auch die Unzufriedenheit bei diesen Mitarbeitern, weil der Flexibilitätsnotwendigkeit nur auf ihrem Rücken ausgetragen wird, und die Bereitschaft zur freiwilligen Flexibilität nimmt sukzessive ab.

Eine Möglichkeit, diese Entwicklung zu umgehen oder aufzulösen, ist, unterschiedliche Arbeitszeitmodelle mit verschiedenen Flexibilitätsanforderungen anzubieten, unter denen die Mitarbeiter abhängig von ihrer persönlichen Lebenssituation auswählen können.

SSZ Beratung Expertise

Attraktivität statt Zwang

Flexibilität braucht Anreize. Wer mehr Flexibilität bietet, sollte dafür eine Gegenleistung erhalten – ohne dass dem Arbeitgeber Mehrkosten entstehen.

Wenn sich die Mitarbeiter freiwillig zwischen verschiedenen Optionen entscheiden können und je nach ihrer persönlichen Wahl dem Betrieb mehr oder weniger Flexibilität anbieten, muss es etwas geben, was die flexibleren Modelle für die (oder mindestens für einige) Mitarbeiter attraktiv macht. Wer z.B. durch zu betreuende Kleinkinder gebunden ist, für den ist es attraktiv, nicht flexibel sein zu müssen und fest planbare Arbeitszeiten zu haben. Für Mitarbeiter, die nicht so stark gebunden sind, kann es attraktiv werden, dem Arbeitgeber mehr zeitliche Flexibilität zur Verfügung zu stellen, wenn es dafür eine Gegenleistung in Form von mehr Freizeit oder Geld gibt.

Für den Arbeitgeber muss diese Gegenleistung unter dem Strich nicht zu Mehrkosten führen. Wenn diese Angebote zu insgesamt mehr Flexibilität beim Einsatz der Arbeitszeit führen, können dadurch Leerstunden und Überstunden reduziert werden, was in vielen Fällen die „Vergütung“ der freiwilligen Flexibilität mehr als kompensiert.

Digitalisierung statt Plantafel oder Excel

Das Angebot von mehreren, unterschiedlich flexiblen Arbeitszeitmodellen führt auch zu mehr Komplexität in der Planung oder der Verwaltung dieser Arbeitszeitmodelle. Diese Komplexität ist mit simplen Zeiterfassungssystemen oder Excel kaum zu bewältigen. Hierfür werden ausgereifte Workforce-Management-Systeme benötigt, mit denen unterschiedliche Arbeitszeitmodelle und Personaleinsatzplanungsprozesse verwaltet werden können und Mitarbeiter über Apps auf ihrem Smartphone Einfluss auf ihre eigenen Arbeitszeiten nehmen können.

Arbeitszeit wurde lange als rein administrativer Faktor gesehen – ein notwendiges Übel, das verwaltet werden muss. Tatsächlich ist Arbeitszeit heute aber ein strategisches Thema, mit dem großer Einfluss auf Mitarbeiterzufriedenheit, Produktivität und Kundenzufriedenheit ausgeübt wird. Die Effekte durch eine intelligente Nutzung von Arbeitszeit sind in der Regel so groß, dass sich Projekte zur Neugestaltung von Arbeitszeitmodellen und auch die Einführung von Workforce Management-Systemen innerhalb kurzer Zeit amortisieren.

Spezial-Tipp unseres Experten

„Die Veränderung von Arbeitszeitmodellen ist eines der schwierigsten Veränderungsvorhaben in einer Organisation, da alle Beschäftigten von einer Veränderung betroffen sind und diese Auswirkung auf ihr Privatleben hat. Versucht man, alle Mitarbeiter in ein neues Modell zu zwingen, wird man fast zwangsläufig scheitern, weil große Widerstände entstehen, der Betriebsrat dem Vorhaben nicht zustimmt oder wichtige Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Mit dem hier vorgeschlagenen Ansatz dauert der Veränderungsprozess möglicherweise länger, aber die Erfolgsaussichten sind deutlich höher. Das heißt auch: Wenn Sie in absehbarer Zeit von den Veränderungen profitieren wollen, sollten Sie rechtzeitig damit beginnen!“

Guido Zander

Welche Auswirkung hat das durch die 5 Faktoren beschriebene Vorgehen?

Vorteile

Nachteile